BELLEVUE PALACE, Bern
Das alte Bellevue
Bern wurde im Jahr 1848 zur Bundesstadt der Schweiz gewählt. Die damit verbundenen Auflagen beinhalteten, den eidgenössischen Räten und der Bundesverwaltung die notwendigen Infrastrukturen und Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Ein wahrer Bauboom erfasste die frisch gekürte Bundesstadt: Neben den repräsentativen Bundesbauten am Südrand der Stadt entstanden neue Strassen und Boulevards, geeignete Wohnhäuser, ein neuer Bahnhof sowie weitere Gaststätten und Cafés.
Die vornehmen Gäste der Regierung wohnten im "Falken", der in der Nähe des Bundeshauses lag und für seine gehobene Küche geschätzt wurde. Friedrich Osswald, der aus Offenbach stammende geschäftstüchtige Hotelier des "Falken", erkannte die Zeichen der Zeit. Er plante den Bau eines grösseren und nobleren Hotels für Staatsgäste in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundesratshaus (heute Bundeshaus West). Osswald und seine Frau Philippine erwarben ein Grundstück zwischen Inselspital und alter Münzstätte, das nur wenige Schritte zum Bundeshaus entfernt lag. Auf der Felsterrasse hoch über der Aare wurde das Hotel BELLEVUE errichtet und 1865 eröffnet. Das Haus verfügte über 110 Gästebetten und fast alle Zimmer boten einen herrlichen Blick auf das berühmte Alpenpanorama und den charmanten französischen Garten im Innenhof. Hochkarätige politische und gesellschaftliche Anlässe fanden nun in den angemessenen Räumlichkeiten des BELLEVUE statt. Könige und Kaiser, englische Lords und Ladies, der italienische Adel, russische Grossfürsten und amerikanische Millionäre residierten fortan im BELLEVUE.
Das neue Hotel Bellevue Palace
Nach Friedrich Osswalds Tod im Jahr 1882 wurde Walter Haerlin, späterer Besitzer des Hamburger Hotels Vier Jahreszeiten, als Direktor eingesetzt, bis die beiden Söhne Osswalds die Leitung übernehmen konnten. 1910 beschlossen Alphons und Philipp Osswald anstelle erneuter Modernisierungen und Erweiterungen, ein völlig neues Hotel zu bauen. Sie gründeten mit anderen Interessierten die Hotel BELLEVUE AG und erwarben die Nachbarliegenschaften – das Hallerhaus auf der Westseite sowie die ehemalige Münzstätte auf der Ostseite. Mit der Planung des Hotelneubaus auf dem nunmehr doppelt so grossen Grundstück wurde das Architekturbüro Lindt und Hofmann betraut. Nach dem Abbruch aller Bauten auf dem Areal begannen die Arbeiten für den Neubau im März 1912. Bereits neun Monate später war der Rohbau fertiggestellt. Wer hätte gedacht, dass das noble, im klassizistischen Stil errichtete Gebäude hinter seiner imposanten Sandsteinfassade eine für seine Zeit avantgardistische Eisenbetonkonstruktion verbirgt. Zügig folgten Innenausbau und Möbilierung: aufwändiger Stuck und Wandmalerien, kostbare Teppiche, Kristalllüster, Möbel und Bäder, modernste technische Einrichtungen wie ein Belüftungs- und Staubsaugsystem, Telefon und elektrisches Licht in allen Räumen und sogar Schrankbeleuchtungen, die sich beim Öffnen der Türen einschalteten, sorgten für aussergewöhnlichen Luxus.
Das herrschaftliche neue BELLEVUE PALACE verfügte über 200 Gästezimmer und wurde termingerecht am 27. November 1913 mit einem glanzvollen Fest eröffnet. Die Baukosten beliefen sich auf 3'255'923.50 Schweizer Franken, der Kostenvoranschlag hatte 3'275'000 Schweizer Franken vorgesehen.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte das Militär mit General Ulrich Wille das BELLEVUE PALACE vier Jahre lang zum Hauptquartier. Das Ausbleiben der vornehmen Gäste aus Europa führte zu empfindlichen Einbussen. In den zwanziger Jahren entspannte sich die Situation der Schweizer Hotellerie und das BELLEVUE PALACE erlebte erneut eine Blütezeit. 1924 kaufte die Besitzerschaft des BELLEVUE den Namen des Nachbarhotels "Bernerhof". Das BELLEVUE wurde in BELLEVUE PALACE Grandhotel und Bernerhof umbenannt.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb das Hotel für alle Gäste geöffnet. In den Wintermonaten mieteten sich Berner Familien wochenlang ins BELLEVUE ein und verbrachten ihre Abende in den geheizten Räumen des Hotels. Auf einer Seite des Restaurants "La Terrasse" trafen sich die Gäste aus den Achsenstaaten, im anderen Teil die Angehörigen der alliierten Mächte. Die Bar des BELLEVUE wurde zum Treffpunkt für Politiker, Diplomaten und Journalisten und hat seit dieser Zeit einen legendären Ruf.
Obwohl das BELLEVUE PALACE die Wirren des Krieges gut überstand, verzeichnete das Haus in den Folgejahren durch Weltwirtschaftskrise und schwindende Übernachtungen herbe Verluste. Das Staatshotel drohte in ausländische Hände zu fallen. 1976 erwarb die Schweizer Nationalbank die Aktienmehrheit der Hotel BELLEVUE PALACE und Bernerhof AG und sicherte so den Fortbestand des Hotelbetriebs. 1994 machte die Nationalbank das BELLEVUE PALACE der Eidgenossenschaft zum Geschenk. Der Bund ist nun Besitzer der Immobiliengesellschaft BELLEVUE AG. 2002 wurde das Hotel erneut einer umfassenden Modernisierung und kompletten Renovierung der Zimmer und Suiten unterzogen. Während der zwölfmonatigen Arbeiten blieb das Haus geschlossen und wurde am 1. Januar 2003 wiedereröffnet. Das renovierte und florierende BELLEVUE PALACE beherbergt jährlich über 40.000 Gäste und begrüsst mehr als 800.000 Besucher in seinen Restaurants und Festsälen.
Seit Januar 2007 gehört das Hotel BELLEVUE PALACE zum exklusiven Kreis der VICTORIA-JUNGFRAU COLLECTION, die das Fünf-Sterne-Grandhotel in Pacht führt. Das Hotel-Portfolio der an der Schweizer Börse kodierten VICTORIA-JUNGFRAU COLLECTION AG umfasst neben dem BELLEVUE PALACE in Bern das VICTORIA-JUNGFRAU Grand Hotel & Spa in Interlaken, das PALACE LUZERN sowie das EDEN AU LAC in Zürich. Die Häuser in Interlaken, Luzern und Zürich befinden sich im Besitz der VICTORIA-JUNGFRAU COLLECTION AG. Das BELLEVUE PALACE ist das einzige Fünf-Sterne-Hotel in der Schweizer Hauptstadt und gehört zu 99,7 Prozent der Eidgenossenschaft. Seit 1973 ist das BELLEVUE PALACE Mitglied der "Leading Hotels of the World".
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